Wir fahren...
Wir checken bei Seba und Juan aus, schenken denen eine Flasche Wein und ein paar Ü-Eier und vagabundieren mit einem Abstecher in unser "Stammrestaurant" Sesamo zur Werkstatt Werner Bernheim. Probefahrt lässt sich gut an und wieder einmal denken wir Juhuu und Hannes sagt "LosLos", das ist das Zeichen für den Start und wir fahren sehr erleichtert auf die Granja La Orientala zu Hannes Freundin Cielo, die ihren Amigo schon vermisst hat. Dort genießen wir einen Tag lang das gute Gemüse, die gemütliche Stimmung, die lieben Leute und planen wie wir weiter fahren. Erst mal ans Meer, nach Kiyu-Ordeig, bzw an den Rio de la Plata, denn das vermischt sich hier ja in einem riesigen Delta, auf der einen Seite Uruguay und Montevideo und auf der anderen Buenos Aires und Argentinien und da müssen wir irgendwie rüber. Ursprünglich wollten wir von Montevideo aus mit einem Buquebus, das ist die Fähre, nach Buenos Aires übersetzen, aber dann haben sie uns erzählt, der Dicke sei zu hoch, also haben wir beschlossen außen rum und über eine Brücke zu fahren. Ziemlich weit wäre das gewesen. Und auf diesem Weg lag also dieses Kiyu Ordeig und da war es abartig windig und wir haben uns in den Dicken verkrümelt, Musik - von Hannes Mix genannt - gehört und bisschen getanzt. Draußen gab es wilde Wellen und einen prima Sonnenuntergang. Wäre also alles ziemlich schön, aber die Bedenken blieben, es roch schon wieder so typisch schmorig nach verbrannte Gummi, Flo war die Sache mit der neuerlichen Reparatur nicht geheuer. Für die Getriebe Spezialisten und interessierten MItfieberer unter euch: zuerst hat die Werkstatt eine passende aber leider zu schwache Kupplung verbaut. Damit sind wir auf die Granja gefahren. Dann ist Flo damit zum Experten Luis, der bestätigte, nee ist scheisse, rutscht durch. Zurück bei Bernheim wurde die alte defekte Kupplung mit neuen Belägen "repariert". Damit sind wir dann losgezogen und im Endeffekt war auch das Murks, da sich diese neuen Beläge recht schnell aufgelöst haben. Aber damit waren wir unterwegs und Flo hat während der Fahrt immer Blut und Wasser geschwitzt, während Hannes und Helli Siesta gemacht haben. Schwitzend ging es also weiter nach Colonia de Sacramento, wir dachten weiterhin wir müssen zu dieser Brücke über den Rio de la Plata fahren und so ging unsere Etappe in dieses kleine uruguyaische Städtchen. Dort sind wir etwas verwirrt in ein Einkaufszentrum am hellichten Sonntag und haben ein Nilpferdtöpfchen und Süßkram gekauft. Am Montag ist Flo zum Hafen marschiert und hat gefragt, ob der Buquebus dort dennn vielleicht einen 2.90 m großen Dicken mitnehmen würde. Würde er. Also haben wir Tickets für selbigen und uns besorgt und den Rest des Tages Pilates gemacht, Ukulele geübt, auf dem Camping eigenen Spielplatz geschaukelt und gelesen. Und uns natürlich gesorgt, denn es war ziemlich unklar, wie weit wir mit der komischen Reparatur kommen würden, aber da die Recherche ergeben hat, dass die richtige Kupplung in Argentinien verfügbar sei, war klar, dass wir es irgendwie da rüber schaffen mussten.
Und dann gerieten wir durch schicksalhafte Fügung an Cris von Andean Roads. Auf der Suche nach einem Übernachtungsort in und um Buenos Aires, wir suchen da mit einer App namens IOverlander, da gibt es allerlei Übernachtungsmöglichkeiten verschiedenster Art, eifrig gefüttert von all den anderen Reisenden hier. Wir schreiben also die Andean Roads an, die vermieten Motorhomes und lassen Leute auf ihrem Hof übernachten. In den Kommentaren lesen wir, dass Cris der Betreiber T3 Fan ist. Oha. Als er uns dann per Mail antwortet, dass wir nicht nur sehr willkommen seien, sondern dass sie auch ein t3 syncro friendly place mit guten Kontakten zu allerlei Ersatzteildealern seien, haben wir erst mal bisschen geweint. Zurecht wie sich herausstellte, denn all unsere bisherigen Erlebnisse bezüglich Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die sich ja nun wirklich alle sehen lassen konnten, ob bei Fede und Laura in unserer Ersten Wohnung, die uns immernoch Bagger Videos für Hannes schicken, bei Seba und Juan, die uns für umme nochmal aufgenommen haben, auf der Granja bei Matias und Serena, die uns an ihren Mecanico vermittelt haben und überhaupt überall wo wir aufgeschlagen sind haben alle versucht uns zu helfen, all diese Erlebnisse wurden bei den Andean Roads nochmal getopt. Nachdem wir mit der Fähre das Land gewechselt hatten und gegen alle Warnungen gar nicht wegen Obst und Gemüseschmuggelei durchsucht worden sind, standen wir dann erst mal in einem gewaltigen Stau in dieser gewaltigen Stadt und haben mit Hannes um die Wette gestaunt. Viele Bagger und so. Im Vorort Ricardo Rojas fanden wir dann Unterschlupf am t3 friendly Place und das war ziemlich gut so. Cris Torlasco und sein Bruder Sebastian betreiben den Verleih zusammen und sie lassen Reisende dort übernachten, wie es scheint häufig Leute, die irgendwelche Autoprobleme haben oder ihr Vehikel für eine Weile unterstellen wollen um anderweitig unterwegs zu sein. Da war zum Beispiel der Tscheche Jan, ein lustiger Kerl, der ein vollausgestattetes Reisemobil ungesehen von Prag aus gekauft hat und nun damit beschäftigt war alles erst einmal einer Grundreinigung zu unterziehen. Ebenfalls auf dem Grundstück wohnt ein weiterer Torlasco Bruder, der für uns insofern interessant war, als dass er der Vater eines gewissen Guido ist, seines Zeichens fast zwei Jahre alt und sehr kompatibel mit der von uns importierten blonden Variante. Der Muck hat ihn (A)migo Guido genannt und sie sind sehr witzig zusammen bzw. nebeneinander hergwackelt, wie man das so macht, wenn man knapp 90 cm groß ist. Egal wo man herkommt.
Flo hat sich indessen mit Cris angefreundet der uns schon bei der Begrüßung hat wissen lassen, dass er uns hilft, dass wir das richtige Teil kriegen werden, dass wir die dortige Werkstatt nutzen dürfen, dass sie uns beim Einbau helfen, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, dass er den Dicken super findet und dass wir endlich bei jemandem sind, der sich sogar ein bisschen freut Teil der Ottleinschen Verkuppelung sein zu können. Also sind Flo und Chris am nächsten Tag zusammen mit einem klappigen Pickup in die Stadt geknattert und haben das von Cris vorher telefonisch avisierte heilige Kupplungspaket in einem dubiosen kleinen Ersatzteil Laden für eine horrende Summe kurzerhand erworben. Halleluja. Den Donnerstag hat Flo dann unter dem Dicken in der Grube in der Werkstatt verbracht, die wir ja netterweise nutzen durften und das Getriebe ausgebaut. Cris hat fleißig geholfen, denn alleine geht das auch gar nicht so gut. Hannes hat ebenfalls eifrig geschraubt und immer wieder alle Räder überprüft, bis er dann mit Helli bis nachts um halb elf auf einer Picknickdecke im Hof saß und las, als plötzlich der Dicke ansprang und Flo völlig fertig und versifft aus der Werkstatt gefahren kam und wir es nicht so recht glauben konnten. Ein paar Stolpersteine beim Einbau gab es natürlich auch, da war der seltsam modifizierte Anlasser, der offenbar in der Bernheim Werkstatt zusammengeschwurbelt wurde, oder die Abwesenheit von Spezialwerkzeug, die durch Improvisation und großen Zeitaufwand wettgemacht werden musste. Am nächsten Tag mussten wir uns dann erst mal den ganzen Tag sehr doll freuen und Cris, der sich ziemlich gut auskennt in seinem Land hat für alle Camp Bewohner und Bewohnerinnen einen kleinen Vortrag zu schönen Orten und guten Camp Möglichkeiten gehalten und wieder einen Tag später konnten wir auch noch nicht fahren, da Cris Kumpel Hernan sich angekündigt hatte, der ein T3 Fanatiker ist und Cris der Schlingel hat gleich noch ein Pärchen hergelotst, die in ihrem T3 vorgefahren sind und dann gab es eine gewaltige Fachsimpelei und Cris meinte irgendwann dass Hernan kaum Luft bekommt vor Aufregung und der musste dann auch die ganze Zeit Sachen ausmessen und fragen und dann gab es eine Probefahrt, der Dicke voll mit begeisterten Typen und Cris hat sich gewünscht zu fahren, dürfte er natürlich und abends hat er uns dann noch zum Essen eingeladen und wäre sein eigener VW LT 4x4 nicht in der Werkstatt wären wir zusammen noch auf die Familienranch gefahren. Aber ist halt immer mal was kaputt an so Autos ne. Jedenfalls wollte er uns kaum gehen lassen und wir sind uns doch sehr sicher, dass wir uns nicht das letzte Mal gesehen haben, außerdem hat er uns so geholfen, dass wir ihm einfach auch noch was schuldig sind. Mal sehen, wie wir das ausgleichen, weiß man nie.
Tja und dann sind wir wirklich und tatsächlich und in echt LosLos gefahren. Genau einen Monat nach unserer Landung in Montevideo. Einem Monat der ziemlich voll war mit Erlebnissen und Eindrücken. War so nicht geplant, deswegen war es auch manchmal schwer, das ist klar, aber wir waren weitestgehend fröhlich und wenn es mal mau war, hat Hannes ziemlich zuverlässig was Lustiges oder Niedliches gemacht und wir haben uns besonnen und uns gefreut, dass wir hier zu dritt sind und einfach nur die ganze Zeit hier zusammen rumklabautern. Ob in einer ranzigen Bude in Montevideo oder im Dicken. Aber bevorzugt natürlich im Dicken. Ist klar.
Hannes macht das mit dem Fahren durch die endlos weite Pampa erstaunlich gut. Versuchen immer so zu fahren, dass er einen Teil Siesta macht und einen Teil rumguckt. In der Pampa gibt es da folgendes zu sehen:
Kühe, Pferde, Traktoren,ab und zu Bäume, aber eher selten, Kühe und Kühe. Findet er spitze.
Erste Station war Azul, da haben wir auf dem camping Municipal genächtigt, guter Spielplatz, sehr idyllisch am Fluß aber etwas in die Jahre gekommen. Aber kein Ort um zu verweilen, also weiter auf die Ruta 3 gen Süden durch große Hitze und wilden Sturm. Da kam ewig nix, kein Schatten und auch keine Möglichkeit zu pausieren, bis eine verlassene Tankstelle auftauchte in der sich nun ein Mini Laden befindet in dem ein alter Mann saß und uns berichtet hat er sei auch ein bisschen Deutsch und eine Frau die dem Hannes einen Lolli geschenkt hat. Denn den kleinen blonden Typ finden natürlich alle spitze, "que rubio" hört er mindestens so oft wie "que lindo", stimmt beides. Und alle müssen sehr dringend seine Haare berühren. Bringt wohl Glück. Stimmt wahrscheinlich auch.
Und nun hocken Helli und Flo in der Sierra de la Ventana vor dem Dicken, das ist hier ein bisschen wie in nem Western, staubige Straßen und wenig sonst, aber der Camping Platz ist sehr grün und wir wohnen hier sehr gut. Hannes hat es freundlicherweise heute etwas früher umgehauen, so dass wir endlich mal wieder Zeit hatten all das hier aufzuschreiben. Wir krabbeln in den Dicken und wünschen allseits eine fröhliche Adventszeit, wurden vorhin daran erinnert, als der Muck im Supermarkt vom Gemüse Mann einen kleinen Papa Noel geschenkt bekommen hat. Wir machen hier mal weiter mit Sommer. Hasta luego, Listo!
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